Datenschutz und geistiges Eigentum
Datensouveränität ist unverzichtbar für den Schutz des geistigen Eigentums. Fertigungsunternehmen tauschen heute enorme Mengen an sensiblen Daten aus, von CAD-Modellen, Simulationsdaten und Software-Ständen über Stücklisten bis zu Fertigungs- und Betriebsdaten. Deshalb ist die Gefahr groß, dass vertrauliche Daten unkontrolliert weitergegeben werden und in falsche Hände gelangen. Eine Gratwanderung, denn die moderne Produktentwicklung ist hochgradig kollaborativ: OEMs, Entwicklungspartner und Zulieferer müssen Daten teilen und gleichzeitig kontrollieren können, wer sie für welche Zwecke nutzen darf. Zu viel Kontrolle hemmt die Kollaboration und zu wenig schafft Risiken.
Die Unternehmen müssen lernen, welche Daten kritisch sind, welche geteilt werden können und wie sie die Governance mit vertretbarem Aufwand sicherstellen können. Dafür sind einerseits leistungsfähige Kollaborations-Lösungen erforderlich. PROSTEP bietet nicht nur eine bewährte Lösung für den sicheren Datenaustausch, sondern unterstützt mit seiner Digital Thread Platform auch die automatische Erstellung von Digital Data Packages (DDP), in denen Produktinformationen aus unterschiedlichen Backend-Systemen mit ihren Beziehungen in neutralen Formaten und maschinenlesbarer Form bereitgestellt werden können.
Andererseits, und das ist schwieriger zu realisieren, müssen die Beteiligten ihre unterschiedlichen Interessen abstimmen und einander vertrauen. In Liefernetzwerken verfolgen die Beteiligten nämlich oft unterschiedliche Ziele: Die OEMs verlangen maximale Transparenz, die Zulieferer wollen ihr Know-how schützen und die Plattformbetreiber die Kunden langfristig an sich binden.
Ein durchgängiger Digital Thread funktioniert nur, wenn Daten über ihren gesamten Lebenszyklus nachvollziehbar und kontrollierbar bleiben. Ohne Datensouveränität wird es schwierig, Datenquellen zu validieren, die Traceability sicherzustellen und digitale Zwillinge unternehmensübergreifend mit Betriebsdaten zu versorgen, ohne die sie ein digitaler Zombie bleiben. Gleichzeitig müssen die Unternehmen bei der Weitergabe von Daten immer strengere regulatorische Auflagen wie den europäischen Data Act, den Cyber Resilience Act oder branchenspezifische Compliance-Anforderungen wie z.B. EU MDR und IEC 62304 in der Medizintechnik, A_SPICE in der Automobilindustrie oder ITAR und AS9100 in der Luft- und Raumfahrt erfüllen.

Systemoffenheit und Souveränität
Doch die Herausforderungen der Datensouveränität reichen weit über die Daten selbst hinaus. Viele Unternehmen stellen fest, dass sie ihre Daten zwar formal besitzen, aber nur eingeschränkt darüber verfügen können, weil ihre IT-Landschaften nicht so offen sind, wie die Vendoren gerne vorgeben. Proprietäre Datenmodelle, geschlossene Software-Architekturen und funktional eingeschränkte Schnittstellen haben zur Folge, dass die Daten sich nur mit erheblichem Aufwand migrieren, integrieren oder systemübergreifend nutzen lassen. Davon können wir bei PROSTEP ein Lied mit vielen Strophen singen. Und das Problem ist, dass gerade die PLM-Systeme mit dem Trend zu Cloudifizierung und Mietmodellen nicht unbedingt offener geworden sind. Das war jedenfalls eine der Erkenntnisse des Workshops zum Thema PLM Openness auf dem diesjährigen prostep ivip Symposium.
Datensouveränität wird damit unweigerlich auch zu einer Frage der Offenheit. Denn ein belastbarer Digital Thread kann nur entstehen, wenn Informationen zwischen PLM-, ALM-, ERP-, MES- und IoT-Systemen ohne Reibungsverluste fließen können. Solange proprietäre Schnittstellen und inkompatible Datenmodelle die Systemlandschaften bestimmen, endet die digitale Durchgängigkeit häufig dort, wo sie eigentlich beginnen sollte: An den Grenzen der einzelnen Anwendungen und Plattformen.

Infrastruktur als dritte Dimension
Hinzu kommt eine dritte Dimension der Datensouveränität, die in Europa zunehmend an Bedeutung gewinnt: Die Abhängigkeit von außereuropäischen digitalen Infrastrukturen. Ein großer Teil der Digitalisierung basiert heute auf den Cloud- und Plattformdiensten der globalen Hyper-Scaler. Das schafft enorme Effizienzgewinne, wirft aber zugleich die Frage auf, wer diese digitalen Infrastrukturen kontrolliert und nach welchen Regeln der Zugriff auf die Daten erfolgt bzw. wer sich eventuell per Dekret Zugang zu diesen Daten verschaffen kann. Dies umso mehr, als auch die Kontrolle über die KI-Technologie, die zunehmend genutzt wird, um Mehrwert aus diesen Daten zu generieren, in den Händen weniger globaler Tech-Konzerne liegt.
Die bisherigen Versuche Europas, souveräner zu werden, haben ein imposantes Regelwerk geschaffen (darin sind wir wirklich großartig). Die Herausforderung besteht jetzt darin, dieses Regelwerk auf breiter Front in vertrauenswürdige Datenräume umzusetzen. Catena-X ist eines der wenigen produktiven Leuchtturm-Projekte. Vor allem brauchen wir neben Regelwerken die entsprechenden Infrastrukturen, d.h. starke europäische Cloud-Anbieter. Glücklicherweise gibt es Anzeichen dafür, dass Bewegung in die Szene kommt. Die zur Digitalsparte der Schwarz-Gruppe gehörende Firma STACKIT, einer der Sponsoren des diesjährigen prostep ivip Symposiums, baut zurzeit eine souveräne europäische Cloud-Infrastruktur auf.
PROSTEP adressiert alle drei Dimensionen
Wir bei PROSTEP nehmen das Thema Datensouveränität sehr ernst und adressieren mit unserer Digital Thread Platform alle drei Dimensionen der Datensouveränität: Den Schutz der Daten und des geistigen Eigentums durch unsere sichere Datenaustauschlösung; die Verbesserung der systemübergreifenden Informationsflüsse und die Schaffung eines belastbaren Digital Thread durch unsere standardbasierte Integrationstechnologie und die Anbindung von beliebigen Enterprise-Systemen an vertrauenswürdige Datenräume, um Daten unter Einhaltung klar definierter Spielregeln mit Partnern in der Wertschöpfungskette teilen zu können.



