prostep ivip Symposium 2026 oder die Omnipräsenz der Künstlichen Intelligenz

Das prostep ivip Symposium ist und bleibt die weltweit wichtigste, herstellerneutrale Veranstaltung zum Thema Digitalisierung, nicht nur der Produktentwicklung. Trotz Lufthansa-Streik war die Veranstaltung im KAP Europa in Frankfurt mit rund 600 Teilnehmer*innen sehr gut besucht. Das Thema (Agentic) KI war in diesem Jahr omnipräsent, und auch die PROSTEP Group hatte dazu Einiges beizutragen.

Wir waren in diesem Jahr mit einem großen, gut sichtbaren Stand und einem starken Team auf dem Symposium vertreten, um unsere Position als führender Digital Thread Expert zu unterstreichen. Eines der beherrschenden Themen in den Kundengesprächen am Stand war nicht so sehr der Einsatz der KI selbst, sondern die Frage, wie wir Unternehmen dabei unterstützen können, ihre Datenschätze zu heben und so zu verbinden, dass sie überhaupt für die KI nutzbar sind. Denn das wurde auf dem Symposium spätestens in der Keynote zum Abschluss des ersten Tages deutlich: Daten müssen strukturiert und vernetzt sein, um sie mit Kontext versehen und abfragbar machen zu können.

„Agentic AI and the Rise of the Software Defined Industry” war das anspruchsvolle Motto der Veranstaltung, das die Hauptsponsoren in ihren Keynotes mit Leben füllten. Patrick Müller und Frank Patz-Brockmann (CONTACT Software) betonten, dass die Unternehmen nicht durch die KI gewinnen würden, sondern durch die Art, wie sie die KI nutzen, und dafür sei der Kontext nötig, den ihre IT-Systeme bereitstellen. PLM sei das Fundament für die KI. Auch Wolfgang Puntigam (AVL) sagte, dass die KI-Agenten immer nur so gut seien, wie die Daten, auf die sie Zugriff hätten. Konsequent eingesetzt könnten 80 Prozent der Aktivitäten in Forschung und Entwicklung künftig mit KI unterstützt, wenn nicht sogar automatisiert werden.

Das Problem dabei ist allerdings die Skill Erosion, auf die Patz-Brockmann aufmerksam machte. Wenn die KI künftig die Aufgaben des Junior Engineers übernimmt, werden wir bald keine Ingenieur*innen mit der nötigen Erfahrung mehr haben, um die KI zu kontrollieren. Wir müssen deshalb als Menschen, Unternehmen und Gesellschaft lernen, verantwortungsvoll mit der KI umzugehen, wie Martin Eigner (Eigner Engineering Consult) und Helena Gutierrez (Share PLM) in ihrem Vortrag über Humans as the Real Differentiator deutlich machten. 

Keine leichte Aufgabe angesichts der enormen Geschwindigkeit, mit der sich die KI weiterentwickelt: ChatGPT hat innerhalb kurzer Zeit ein Anfragevolumen erreicht, für das Google rund zehn Jahre gebraucht hat. 

 

Drei Vorträge und ein Workshop zum Thema Offenheit

Die Komplexität der menschlichen Kommunikation abzubilden, ist trotz immer besserer Sprachmodelle eine Herausforderung, die sich mit der KI (noch) nicht so einfach bewältigen lässt. Und Kommunikation funktioniert nur, wenn die Menschen einander vertrauen können, wie Knut Stang und Katrin Fritz (Volkswagen) in Ihrem Vortrag über Gruppen-Identität und Sprache erläuterten. Menschen kommunizieren nämlich nicht in einer einheitlichen Sprache, sondern in verschiedenen Dialekten und berufsgruppen- oder branchenspezifischen Expertensprachen miteinander. ChatGPT & Co. darauf zu trainieren, nicht nur die Sprache des weißen Trump-Amerikas richtig zu interpretieren, wird nicht einfach sein.

Knut Stang war nicht unser einziger Sprecher von PROSTEP auf dem diesjährigen Symposium – wir waren insgesamt mit drei interessanten Vorträgen vertreten. Marvin Höhn von der BHC erläuterte gemeinsam mit David Leuckhardt (Mercedes), wie man die schnelleren Zyklen der Software-Entwicklung mit der Entwicklung der dazugehörigen Elektronik-Hardware soweit aufeinander abstimmen kann, dass bei den Tests nicht unnötig viele Hardware-Komponenten ausgetauscht werden müssen. Grundlage dafür ist die Verknüpfung der Daten aus dem E/E-PDM-System mit den Software-Ständen im MB.OS-Portal zu einem Digital Thread. Das spart nicht nur mehrere Hunderttausende Euro an Kosten für unnötigen Umbauten, sondern ermöglicht auch ein viel intensiveres Testen.

In einem weiteren Vortrag stellte Martin Holland zusammen mit Jörg Hoffmann (BOS) eine im Rahmen des Decide4ECO-Projekts entwickelte Lösung vor, mit der sich die letzte Meile zwischen Daten-Ökosystemen und den Backend-Systemen der Unternehmen überbrücken lässt, um z.B. Nachhaltigkeitsinformationen zu teilen. Der Demonstrator der Lösung basiert auf unserer OpenPDM-Integrationstechnologie, die wir um einen EDC Connector für die Anbindung an beliebige Daten-Ökosysteme ergänzt haben. OpenPDM übernimmt in diesem Kontext auch die Kontrolle der Policies für den Zugang zu den Daten und ihre Nutzung. Außerdem haben wir im Rahmen des Projekts einen KI-Agenten entwickelt, der die Nachhaltigkeitsinformationen aus unterschiedlichen Quellen in einen Digitalen Produktpass zusammenführt.

Voraussetzung für den Aufbau von solchen systemübergreifenden Digital Threads sind offene IT-Systeme und die Unterstützung von Standards. Auch die Nutzung von Datenökosystemen wie Catena-X oder Manufacturing-X und der Einsatz von KI-gestützten Tools funktioniert nur mit offenen Systemen. 

Leider hat die Offenheit mit dem Trend zur Cloudifizierung und dem Übergang zu Mietmodellen eher ab- als zugenommen. Das war eine der wesentlichen Erkenntnisse des 90minütigen Workshops zum Thema Code of PLM Opennness (CPO), der von PROSTEP koordiniert wurde. Durchgeführt im Stil eines World Cafés wurden an drei Stationen die Bedeutung der Offenheit für die Industrie und die wesentlichen Hindernisse lebhaft diskutiert. Die Diskussion soll auf dem nächsten Symposium fortgeführt werden.

Das nächste prostep ivip Symposium findet am 14. und 15. April 2027 in Düsseldorf statt. 
Diesen Termin am besten schon mal vormerken.